Wie geht es weiter mit dem Standort der RV Bille ?

Die Planungen für das Gebiet „Billebogen“ schreiten voran und die Entwicklungspläne der Billebogen-Entwicklungsgesellschaft (BBEG) werden konkreter. Diese umfassen auch den Standort der RV Bille, die dieses Jahr ihr 125jähriges Vereinsjubiläum feiert. Nach aktueller Planung soll die Rudervereinigung einen neuen Standort erhalten. In einem offenen Brief fasst der Vereinsvorsitzende Andreas Görtz die Situation zusammen: 

Die RV Bille hat ihr Bootshaus am Billebecken auf einem städtischen Grundstück seit Anfang der 1960er Jahre. Seitdem werden umliegenden Sportler*innen und Arbeiter*innen vielfältige Aktivitätsmöglichkeiten – mit inklusivem Anspruch – angeboten. Weiter ermöglicht der Verein Kulturschaffenden, Universitäten und Schulen ihre Räumlichkeiten und Außenflächen am Wasser zu nutzen. Es besteht ein Pachtvertrag mit der Freien und Hansestadt Hamburg bis zum Jahr 2037. 

Die Stadt sieht jedoch die Übergabe des Grundstückes an die Billebogen Entwicklungsgesellschaft GmbH & Co. KG vor. Die Billebogen GmbH beabsichtigt den Verein umzusiedeln, um das Wassergrundstück des Vereins gewinnbringend vermarkten zu können. Gespräche über mögliche Alternativflächen für unsere langjährig gewachsene Nutzung haben bereits mehrfach und in unterschiedlichen städtischen Beteiligungsformaten stattgefunden – bisher jedoch erfolglos. Auch das erarbeitete Projekt ›Wassersportzentrum an der Bille‹, im Rahmen der Städtebauförderung ›Mitte machen‹ (siehe Drucksachen-Nr.: 22-1076), blieb trotz der Auswahl durch die Bezirksversammlung aufgrund fehlender geeigneter Flächen bislang ergebnislos. 

Einer der vielen resultierenden Nebeneffekte: Die in 2017 von der Bürgerschaft bewilligten Fördergelder für An- und Umbaumaßnahmen in Höhe von 450.000 € können aufgrund der ausbleibenden Perspektiven nicht abgerufen werden und verhindern so notwendige Modernisierungsarbeiten der RVB Infrastruktur. Aktuell sieht die Billebogen Entwicklungsgesellschaft am Standort der RVB »eine urbane, gestapelte Produktion« mit möglicher Ansiedlung des Instituts für Hygiene und Umwelt vor. Diese verschiedenen Nutzungsinteressen für die Fläche müssen sich unserer Ansicht nach nicht ausschließen, sondern sollten zusammengedacht werden – um zukünftig Arbeiten, (Betriebs-)Sport, Freizeit und öffentlichen Wasserzugang an einem Ort im Hamburger Osten zu versammeln. 

Wir Mitglieder der RV Bille setzen uns dafür ein, dass unser seit vielen Jahren genutzes Vereinsgelände mit einer Erweiterung als multifunktional genutztes Wassersportzentrum am Standort Bei der Grünen Brücke 3 verbleibt und ausgebaut wird. Es wäre für alle Beteiligten, sowie für die Bürger*innen eine Win-Win-Situation. 

Update Oktober 2021

Am 14.10.21 war die BBEG bei uns im Bootshaus zu Gast. Geschäftsführer Dr. Andreas Kleinau und Projektleiter Hape Schneider erklärten sich im Austausch mit unserem Vorstand und einigen Vereinsmitgliedern der RVB zur aktuellen Situation und reagierten damit auf Anfragen der Politik, die offenbar unser offener Brief ausgelöst hatte. Im Gespräch haben wir noch mal persönlich die Lage des Vereins dargestellt und unsere aktuelle Wahrnehmung der Situation geschildert. Insbesondere haben wir auf die mangelhafte offizielle Kommunikation mit uns hingewiesen und den Wunsch zum Ausdruck gebracht, im Planungsprozess deutlicher Berücksichtigung zu finden.

Wir trafen damit auf ein grundsätzliches Verständnis. Die BBEG sicherte uns die Teilnahme an einem Workshop zusammen mit den Planern Anfang November zu, zu dem sich Anwohner und anderen Interessengruppen anmelden können. Zum Thema Kommunikation und Information wurde uns das Bezirksamt Hamburg Mitte als offizieller Ansprechpartner bestätigt. Bestätigt wurde ebenfalls die Vergabe einer Machbarkeitsstudie zu allen benannten Alternativ-Standorten für die RVB. Auch ein Verbleib am derzeitigen Standort sei nicht ausgeschlossen, sondern richte sich ausschließlich danach, ob die zukünftige Nutzung an dieser Stelle mit einem Wassersportzentrum kompatibel sei.

Damit wird recht deutlich, dass bei aller Wertschätzung für unseren Verein mit seinem Engagement und Potenzial, die wirtschaftlichen Interessen hier Priorität haben. Wir sind dennoch gespannt auf den Workshop am 9. November.

Links zu weiteren Information: 

Auf der Webseite der Billebogen Entwicklungsgesellschaft lässt sich der aktuelle Planungsstand einsehen. Auch gibt es dort eine Möglichkeit, die Pläne zu kommentieren! 

www.billebogen.de

Auch in der Presse gibt es zahlreiche Bericht über das Projekt. Überwiegend wird dort die geplante Entwicklung des Gebietes als positiv dargestellt. Die aktuelle Nutzung wird vor allem auf die Nutzung als „Autolager“ reduziert. Dass das Gebiet auch langjährige Heimat eines engagierten und gut vernetzten Vereins ist, wird dort nicht erwähnt. 

Eine Übersicht über bisher erschienene Berichte: 

6. August 2021 NDR – Halbinsel am Billebecken soll zu Industriegebiet werden [PDF] Stand: 23.08.2021

7. August 2021 Hamburger Abendblatt – „Silicon Bille“ – neuer Standort für Technologiefirmen (Paywall)

8. August 2021 TAZ – Nur Platz für dicke Fische [PDF] Stand: 23.08.2021

8. August 2021 Bildzeitung – 2023 geht’s los-Neues Gewerbegebiet mit Parks am Billebecken [PDF] Stand: 23.08.2021

11. August 2021 Hamburger Morgenpost – Neues Leben für den Autofriedhof [PDF] Stand: 23.08.2021

14. August 2021 Hamburger Wochenblatt – Traum von 30.000 Arbeitsplätzen

22. August 2021 NDR – Billebecken: Ruderverein kämpft gegen Zwangsumzug [PDF] Stand: 23.08.2021

23. August 2021 TAZ – Gegen den Strom [PDF] Stand: 23.08.2021

29. August 2021 Hamburger Wochenblatt – Ruderverein Bille: „Wir bleiben hier!“